Der neue Mops
Wir sind besondere Möpse. Das heißt, dass in unsere Zuchtlinie besondere Möpse eingekreuzt wurden. Warum?
Seit Jahren ist zu beobachten, dass der im FCI-Standard beschriebene Mopstyp immer übertriebener geworden ist. Ausstellungsrichter legten ihn immer extremer aus und Käufer gierten nach Möpschen mit immer mehr Kindchenschema, um des lieben Geldes willen bedienten verantwortungslose Züchter den perversen Markt. Deckrüden, die diesem Bild entsprachen, gaben besonders häufig ihre Gene weiter und so sprechen heute einige Menschen bereits von "Qualzucht" bei den Möpsen. Ja, es ist eine Qual für unsere betroffenen Artgenossen, auch ohne körperliche Belastung nach Atem zu ringen, bei sommerlicher Wärme bewusstlos zu werden, schmerzhafte Augenreizungen durch schlecht gewachsene Wimpern zu erleiden, schmerzende Gelenke und Rückenschmerzen aufgrund von Deformationen zu haben, Möpschen nicht mehr gebären zu können.
Der Tierarzt Fritz Groß listet in seinem Buch "Krankheitsanfälligkeiten der Hunde- und Katzenrassen" (Verlag Neupod, Stuttgart 2000) folgende mögliche Probleme auf und wendet sich ausdrücklich an Züchter, damit sie ihre Zuchtmaßnahmen entsprechend ausrichten können:
- Eiterausschlag der Schwanzfalten
- Neigung zu Haarmilbenbefall
- Hautentzündung der Nasenfalten
- gutartige fleckförmige Veränderung der Haut
- Allergie
- Hornhautentzündung
- Vorverlagerung des Augapfels
- Härchen am Lidrand reizen die Hornhaut
- fehlende Tränenflüssigkeit
- Hautinseln auf der Hornhaut
- Lidspalte zu groß
- schnarchende Geräusche
- Probleme im Atmungsapparat durch extrem kurzen Kopf
- Luftröhrenverengungen
- tödliche Herzattacken
- fehlerhafte Verbindung zwischen zwei Blutgefäßen (Außerhalb der Leber)
- Verkürzung des Oberkiefers
- Gaumen zu groß
- Harnsteinerkrankung
- Zwitter
- Schwergeburten
- Schmetterlingswirbel, Keilwirbel
- Stummelbeinigkeit
- Kopf und Wirbelsäule aufgrund einer Knorpelwachstumsstörung verändert
- Bandscheibenvorfälle
- Probleme durch unproportionalen Zwergwuchs
- Hirnhautentzündung (pug dog enzephalitis)
- Epilepsie
- Wasserkopf
Und manche von Euch denken noch nicht einmal darüber nach! In Hunde-Foren beweinen sie dann die Krankheiten und OP-Termine ihrer Kleinen - und verstehen einfach nicht, dass ihr Kaufverhalten letztlich zu dieser Quälerei geführt hat.
Unser Frauchen hat nachgedacht. Sie liebt Möpse. Und sie weiß, dass ich meine Arbeit als Schulmops nur dann mit Wonne erledigen kann, wenn ich auch sonst ein glückliches Leben habe!
So ist es für mein Frauchen ganz klar, dass ihr Möpschen möglichst keine Gene, die Möpse quälen, aufweisen darf. Und - Gott sei Dank! - ist auch bei vielen Züchtern eine Umkehr zu verzeichnen; sie spezialisieren ihre Zucht auf Möpse mit längeren Nasen und Hälsen (Atemfreiheit!), kleineren, nicht so vorstehenden Augen (geringeres Risiko von Augenverletzungen!), längeren Beinen, gesunden Gelenken und Wirbelsäule (mehr Sportlichkeit!). So entdeckt man Menschen, die Möpse eher "altdeutschen Typs" unter dem Dachverband des VDH züchten, den Züchterkreis MPRV e.V., der sich ebenfalls die frei atmenden Möpse zum Ziel gesetzt hast, den Züchterkreis Retro-Mops (ZKR) sowie die Züchter der IG-Mops, die zur Erreichung eines besseren Mopstyps die Einkreuzung von amerikanischen Blutlinien oder die eines Jack-Russel-Terriers vorgenommen haben. Wie schön! Da machen sich Menschen wirklich Gedanken um die Gesundheit unserer Rasse und wagen - jeder auf seine Weise - neue Wege, und was passiert? Häufig lassen sie keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig zu beschimpfen, die anderen zu diffamieren, ihren eigenen Weg als Königsweg zu betrachten. Lest Euch mal durch die verschiedenen Hundeforen, die es so gibt!
Unser Frauchen sieht das für mich so: Jede wirklich vernünftige Anstrengung in der Mopszucht ist es wert, unsere wundervolle Rasse zu erhalten und unsere Lebensqualität zu erhöhen. Die einen gehen vielleicht einen langsameren Weg, in dem sie rassereine Deckrüden wählen, die dem besseren Typ entsprechen. Das ist gut so, denn sie vermeiden die Linienzucht, die zu dem ganzen Elend geführt hat. Die anderen haben einmal eine andere Rasse eingekreuzt. Das ist vielleicht der schnellere Weg. Na und? Das ist auch gut so, denn vielleicht können schon die Möpschen der nächsten Generation ihre Lebensqualität genießen. Hunderassen sind überhaupt erst entstanden, in dem mal eine andere Hunderasse eingekreuzt wurde. In der Katzenzucht war das auch gang und gäbe. Niemand hat sich daran gestört. Und auch so findet die notwendige Erweiterung des Genpools statt. Ebenso, wenn z.B. ausländische Linien eingezüchtet werden. Einige dieser Möpse entsprechen eher dem alten Typus des Mopses und helfen, die Basis des Genpools zu verbreitern.
Der bekannte Kynologe Dr. Hellmuth Wachtel beschreibt in seinen Aufsätzen "Hundezucht am Scheideweg" und "Quo vadis Canis" in der September- und Oktoberausgabe 2008 der "WUFF" beide Wege als Möglichkeit, an der genetischen Vielfalt der Zuchthunde zu arbeiten, und genetisch gefährdete Rassen zu retten. Das könnt Ihr nachlesen unter www.wuff.de.
Aber Ihr solltet schon genau hinschauen: schnell benutzen einige Züchter die populären Argumente für den Verdienst eines schnellen Euro - entweder bei Möpschen, deren Zucht überhaupt keine Verbesserung bedeutet oder aber bei Produkten einer wilden Gen-Panscherei!
Für mich als Schulmops und meine Mutter Hopi ist es ein Segen, dass wir Gene in uns haben, die uns ein Näschen und Atemfreiheit bringen. So habe ich noch mehr Power im Umgang mit den quirligen Schützlingen. Meine Körpersprache ist dank des auffälligeren Schnäuzchens viel eindeutiger und das ist wichtig für die Menschen in der Schule, die so Stresssymptome besser erkennen.